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Jetzt bin ich also schon drei Wochen hier!
Im Grossen und Ganzen kann ich sagen, dass ich die wichtigsten Sachen gesehen habe. Nicht nur die typischen Touri-Attraktionen, sondern auch fast alle Stadtteile Manhattans. Letztes Wochenende kam mich mein Vater, der gerade auf einer Geschäftsreise in Connecticut ist, in die Stadt, und wir haben zwar auch Orte besucht, an denen ich vorher noch nicht gewesen war (Battery Park, Statue of Liberty, Ellis Island, Top of the Tock, Mme Tussaud’s), zum Teil konnte ich aber auch richtig als Guide durch die Stadt führen. Meine Orientierung ist viel besser als anfangs, wo ich mich ja einige Male pro Tag verlaufen habe und sehr oft nach dem Weg fragen musste, das Subway-Fahren ist auch schon längst nur noch Routine. Ab und zu kann ich sogar anderen Touristen helfen, was mich natürlich immer ein wenig stolz macht!
Orte, die ich besucht habe (einigermassen chronologisch und evtl. unvollständig):
- Jackson Heights (Queens) : Das ist das Viertel, in dem ich momentan wohne. Es gibt hier total viele Hispanics, Inder, Pakistanis… die meisten stammen aus der unteren Mittelklasse. Es gibt viele billige Läden. Obwohl das Viertel am Tag in Ordnung ist, muss ich nachts immer ein Taxi zur Subway Station nehmen, weil, obwohl ich vermutlich nicht ausgeraubt werden würde, auch schon abends von unzähligen Männern belästigt werde. Und zwar nicht von jungen, 20-jährigen, sondern von solchen mittleren Alters, von denen wahrscheinlich ein Grossteil verheiratet ist. Wenn ich an ihnen vorbeigehe (und ich trage normale Kleidung, ohne freies Dekolltee usw.), rufen sie mir nach und wollen mit mir sprechen, ich tue aber immer so, als ob ich sie nicht hören würde. „Wanna have a drink with me?“ „You are so beautiful!“ Einmal hat mich einer angesprochen, als ich versucht habe ein Taxi zu kriegen. Nachdem er mir eins herangewinkt hatte, weil ich mich geweigert habe, mit ihm was trinken zu gehen oder ihm meine email-Adresse zu geben, hat er mir angeboten, das Taxi mit ihm teilen oder mich zu Fuss nach Hause begleiten. Ich finde das total ekelhaft und freue mich, was diesen Punkt angeht, wieder auf die Schweiz… Was mir auch aufgefallen ist, ist dass die Leute einen schnell mal ansprechen, einfach nur, um Smalltalk zu machen (z.B. wenn man im Park auf einer Bank sitzt und etwas isst oder liest). In Kalifornien soll das noch viel extremer sein. Das gefaellt mir aber, dass die Leute anders als in der Schweiz schnell und ohne irgendwelche Hintergedanken miteinander ins Gespraech kommen, und entspannt plaudern koennen!
- Metropolitan Museum of Art : Meine „Landlady“, Karen, hat lange in Ägypten gewohnt und mich deshalb durch die umfangreiche ägyptologische Ausstellung geführt.
- Times Square : Natürlich auch ein touristisches Muss. Er ist in Midtown, ungefähr um der 45. Strasse, wo sich der Broadway und die Avenue of the Americas (6th Ave) kreuzen. Berühmt ist er für die unglaublich und überdimensional grossen Werbungen (Flatscreens o. Ä.), den vielen Läden, und halt auch nur deswegen, weil dort jeder Tourist hingeht. Ausserdem ist westlich davon auch der Theater District, wo die ganzen Theater, Musicals und Kinofilme spielen. In Amerika ist es auch möglich, Kinofilme in IMAX zu sehen, was ich aber nicht gemacht habe, weil mir die Filme nicht gefallen. Überall stehen Händler mit ihren Ständen, Asiaten sprechen dich an weil sie dich zeichnen wollen, andere machen Werbung für Sightseeing-Touren auf den Doppeldecker-Bussen oder rufen laut „Comedy Show! Free Comedy Show!“ Der Times Square ist auch der Ort, an dem ich den „Naked Cowboy“ gesehen habe (für Erklärungen bitte googlen) und zwei Polizisten auf Pferden. Diese werden übrigens immer mehr, weil sie bei belebten Strassen einfach schneller sind und die Leute ihnen auch mehr Respekt entgegenbringen, denn sie sind ja über einen Meter grösser als der Durchschnittsmann (auf englisch „Joe Six-Pack“). Uebrigens gibt es dort einen Toys R Us mit Riesenrad im Innern und einen M&M’s Store, der sich ueber drei Stockwerke erstreckt!
- Little Italy : Viertel mit vielen ursprünglichen Italienern, was man auch an den italienischen Cafés, Restaurants und an den rot-weiss-grünen Jalousien bemerkt. Wird leider immer mehr von Chinatown „überrollt“.
- Chinatown : Das Chinesen-Viertel. Wenn man hier ist, meint man wirklich, man sei in China gelandet. Es wimmelt nicht nur von Chinesen, sondern man sieht und hört auch kaum mehr etwas englisches. Sogar der Burger King und die Subway Stationen haben Schilder auf chinesisch.
- SoHo : „South of Houston“: Schön zum Bummeln, keine Wolkenkratzer (die gibt es eher in Midtown und im Financial District)
- Grand Central : Station für Interstate-Züge, und auch „meine“ Subway-Station.
- Empire State Building : Erklärungen brauchts hier wahrscheinlich nicht… höchstes Gebäude der Stadt (auch die WTC Türme 1 und 2 waren kleiner), Aussichtsplattform auf dem 85. Stock, Blick über ganz New York, New Jersey, Connecticut, bei klarer Luft auch Massachussets
- East Village : Hier ist die NYU (New York University) zuhause, demzufolge Studentenviertel mit vielen Bars und Cafés.
- Greenwich („Grännitsch“) Village mit Washington Square : Überreste der Hippie-Zeit sind hier noch zu finden. Mir gefällt es dort sehr.
- Farmers’ Market am Union Square: Der Union Square ist sehr belebt, hat auch einen kleinen Park und viele Läden (beim Diesel-Laden gibt es eine Schlange mit Türsteher, als wäre es ein Nachtklub)
- World Trade Center Site, auch Ground Zero genannt, mit Visitor Center (2x) : Etwas vom eindrücklichsten, was ich je gesehen habe. Man kommt dahin und merkt augenblicklich, dass der Stadt hier etwas fehlt. Auch das Visitor Center ist wirklich empfehlenswert. Es zeigt viele Fotos, Videos, Zitate, und berichtet von den Anschlägen in 1993 und 2001. Das Ground Zero ist bis 2012 eine riesige Baustelle, das WTC Gebäude 7 wurde aber bereits nachgebaut und vor einigen Monaten bezogen.
- Central Park : Riesiger (kuenstlich gepflanzter) Park in Manhattan, trennt die Upper East Side von der Upper West Side. Mein Lieblingsplatz ist der südliche Teil des kleinen „Lakes“. Hier gibt es einen Springbrunnen, man kann Ruderboote mieten (hier finden die meisten Heiratsanträge statt, wurde mir gesagt), und es gibt ein edles, Restaurant direkt am See („The Boathouse“), ich glaube, dieses ist auch Schauplatz einer „Sex and the City“-Folge. Hier herrscht immer Leben; Skater üben hier, es gibt verschiedene Strassen-Shows (New Yorker werden unglaublich kreativ, wenn es darum geht, Geld zu machen); gestern sah ich einen alten Mann, der auf Rollschuhen diverse Slalom-Kunststücke geübt hat. Auch im Central Park Zoo war ich.
- Wall Street: Der New York Stock Exchange, Zentrum der amerikanischen Wirtschaft, befindet sich hier.
- New Jersey : Vom riesigen Busterminal „Port Authority“ fahren Busse durch den Lincoln Tunnel unter dem Hudson River durch nach New Jersey (State). Ich bin mit dem Brasilianer aus meiner Klasse, Humberto, nach Elizabeth gefahren, zum Garden’s Mall, einem sehr grossen Einkaufszentrum. Hier lohnt es sich besonders fuer New Yorker einzukaufen, denn es gibt viele Outlets, und man bezahlt nicht wie in New York immer noch zusaetzlich 8% Steuern (Tax).
- Rockefeller Center mit Top of the Rock : Das Rockefeller Center ist ein Einkaufszentrum, und besteht aus mehreren Wolkenkratzern. Auf der Spitze des höchsten befindet sich auch wieder ein „Observatory“, also drei Aussichtsplattformen, von denen aus man über den ganzen Central Patk sieht. Ich fand die Aussicht fast besser als die vom Empire State Building! Sogar die Liftfahrt ist spektakulär (alles wird dunkel, die Decke wird durchsichtig, ein Beamer projeziert etwas auf die Decke, und man sieht aber auch blaue Lichter, während man den Schacht hochrast). Aussen gibt es dort, wo im Sommer ein Café ist, seit wenigen Tagen ein Eislaufbahn. Berühmt ist auch der riesige Weihnachtsbaum, der jedes Jahr dort steht, und auf der Spitze einen zwei Meter grossen Stern aus Swarovski-Kristallen trägt.
- Battery Park mit Castle Clinton: Die Südspitze Manhattans
- Statue of Liberty auf Liberty Island : Die berühmte Freiheitsstatue, das Wahrzeichen Amerikas. Vor ca. 125 Jahren wurde sie als Geschenk der Franzosen (aus Spendengeldern finanziert) gebaut, da die Franzosen den USA zeigen wollten, wie sehr sie deren stabile Demokratie bewunderten. Für die vielen Einwanderer war sie aber ein Symbol der Freiheit, weil das Erblicken der Statue fuer sie bedeutete, dass sie in New York angekommen waren. Zu ihrem 100. Geburtstag bekam sie eine komplette Renovierung im Wert von 86 Mio. Dollar geschenkt, was sie auch dringend noetig hatte. Uebrigens ist die Statue aus Kupfer, und war deshalb urspruenglich gold-braun. Wegen Oxidation hat sie die hellgruene Farbe, mit welcher man sie kennt.
- Ellis Island : Von ca. 1900 bis 1954 mussten alle Einwanderer zuerst auf dieser Insel landen. Dort wurden sie durchgecheckt (medizinisch, aber auch mental) und es wurde ueber ihre Aufnahme ins Land entschieden. Deshalb wurde Ellis Island auch entweder „Island of Hope“ oder „Island of Tears“ genannt, da viele Familien sich nach Jahren der Trennung wieder vereinigten, aber auch fuer immer getrennt wurden. Ca. 2% aller Einwanderer wurden wieder zurueck zum Ursprungshafen geschickt, pro Monat ungefaehr 5′000 ins Land aufgenommen. Das Haus, in welchem sich all dies abgespielt hat, ist heute ein Museum.
- Brooklyn Bridge: Eine sechsspurige Bruecke ueber den East River mit zwei riesigen Pfeilern aus Stein. Es war die erste, die die damaligen Staedte Brooklyn und New York verband. Der Architekt starb leider vor ihrer Fertigstellung, ebenso sein Sohn, und die Frau des Sohnes vollendete ihr Werk. Ueber den Spuren fuer die Motorfahrzeuge gibt es einen breiten Weg fuer Fussgaenger und Radfahrer.
New York hat mir sehr gut gefallen. Nachteile der Stadt sind jedoch der Lärm, denn wirklich alle fünf Minuten fährt mit ohrenbetäubender Sirene ein Feuerwehr- oder Polizeiauto vorbei und gehupt wird sowieso ständig, Grund genug ist schon das Hupen der anderen Autos; der Gestank, der aus den Abwasserschächten, Abfallsäcken oder Pfützen stammt; und die Subwayfahrten. Oft muss man stehen, und wenn dann mal ein Platz frei ist, muss man sich zwischen fremde Leute quetschen, weil die Sitze sogar nach europäischen Massstäben extrem eng sind. Deshalb haben es sich viele Leute zur Angewohnheit gemacht, auch wenn sie es nicht nötig haben, für jede Pobacke einen einzelnen Sitz zu beanspruchen, damit wenigstens noch ein paar Zentimeter Abstand zwischen sich selbst und dem Sitznachbar bleibt. Ich finde das aber ziemlich egoistisch. Dann wäre es fairer, sie würden stehen, oder sich ein Taxi nehmen. Auch unangenehm kann es werden, wenn man abends mit dem Subway unterwegs ist, denn dann sind die Leute müde, und einige von ihnen nicken ein und lehnen dann immer mehr herüber, bis sie praktisch auf der Schulter des Sitznachbarn schlafen. Mir ist das mal mit einem Koreaner mittleren Alters passiert. Ich hab ihm, als es mir nach 10 Minuten gereicht hat und meine Füsse zu weh taten um aufzustehen, mit dem Ellbogen einen leichten Seitenhieb gegeben. Er ist dann zwar aufgewacht und von mir weggerutscht, aber wenige Minuten später fing das Ganze wieder von vorne an…
Was auch typisch Subway ist, ist, dass es in den Stationen immer total heiss ist (was jetzt aber langsam bessert), die Züge dagegen aber auf ungefähr 17° C runtergekühlt werden. Und ach ja, Ratten gibt es in den Subway-Tunnels und auf den Gleisen natürlich auch, aber zum Glück krabbeln sie nicht aufs Perron hoch!
Ausserdem gibt es hier total viele Eichhörnchen! Sie sind zwar nicht wie bei uns rotbraun, sonden hellbraun-silbern, und ziemlich zutraulich, ich habe aber den Eindruck, dass New Yorker sie nicht besonders mögen. Und was sie wie wir auch nicht ausstehen können, sind Tauben („die Ratten der Lüfte“). Und oft auch Touristen… wenn man sie jedoch nach dem Weg fragt, sind sie total freundlich, weil sie so stolz darauf sind, New Yorker zu sein!
Das Wetter war, wie schon beschrieben, in der ersten Oktoberwoche genug warm, um nur mit einem T-Shirt herumzulaufen. In den zwei Wochen danach war es dagegen schon schlauer, noch einen Pullover oder eine leichte Jacke anzuziehen, und seit drei Tagen zieht man besser eine Winterjacke und einen Schal an! Der Jahreszeitenwechsel geschieht hier offenbar viel schneller… meine Lehrerin hat erzaehlt, dass es an Halloween schon schneien kann. Leider bin ich dann nicht mehr hier… Halloween in den USA haette ich wiklich gerne erlebt!
Seit der letzten Woche unternehme ich oefters etwas mit ein paar Leuten aus meiner Klasse: Ivo, der Hollaender, der sich freut, weil wir morgen zwei neue Hollaender kriegen; Humberto, der Brasilianer, der vor New York sieben Monate in Kalifornien verbracht hat; Nina, aus Bayern und Fernando; der Argentinier aus Brasilien.
SO, ich glaube, der Titel dieses Artikels ist berechtigt (mindestens mit einem „my“ vornedran). Ich habe neue Fotos hoch geladen.
Liebe Gruesse Annika